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„Alice im Kummerland“ – Frauen und Literatur

Eine Gartenlesung am 26.8.20 in MA-Feudenheim

Eingeladen hatten Barbara Waldkirch und Manfred Klenk. Ihnen sei an dieser Stelle für ihr Engagement herzlich gedankt!

Im Mittelpunkt des ersten Teils standen zwei Gedichte von Manfred Klenk („Ein Wort Irgendwo“ und „Merseburger Sommerfrische“), die als Repliken auf Texte von Karoline Günderrode und Annette von Droste-Hülshoff gelten können. Vertont wurden sie von Madeleine Schumacher, die sie zur Harfe berührend sang.
Karoline Günderrode (1780-1806), eine Dichterin der Romantik, nahm sich das Leben, weil sie mit ihrem emanzipatorischen Lebensentwurf (als Frau zu leben wie ein Mann) scheiterte. Sie war ihrer Zeit zu weit voraus. Annette von Droste-Hülshoff beschreibt in ihrem Gedicht „Am Turme“ die Sehnsüchte eines lyrischen Ichs, der es ebenso verwehrt war, ihre Fähigkeiten und Wünsche auszuleben.

Mit Simone Scharberts „du, alice – eine anrufung“ wird ein Sprung nach Amerika gewagt, der deutlich macht, dass Alice James eine Seelenverwandte der beiden zuvor genannten Schriftstellerinnen ist. Alicens James älteste Brüder (sie war die jüngste von fünf Geschwistern und das einzige Mädchen) waren zwei der bedeutendsten Intellektuellen im Amerika der Jahrhundertwende: William James, weltberühmter Psychologe und Philosoph, und Henry James, weltberühmter Romancier. Ihr hingegen wurde der Zutritt zur intellektuellen Welt verweigert. Alice nahm dennoch leidenschaftlich Anteil am politischen und geistigen Leben ihrer Zeit und füllte in den letzten Jahren ihres Lebens ein Tagebuch mit persönlichen Reflexionen und scharfsinnigen Kommentaren zum Zeitgeschehen.

Mit ihrem Debütroman „Geranien für den König“ setzte Kristin Wolz einen Kontrapunkt zu den oben beschriebenen Frauenschicksalen. Sie lud das Publikum in ein Mehrfamilienhaus Ende der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts ein und stellte drei verheiratete Frauen vor, die durch „Fremdgehen“ miteinander verbunden und dennoch getrennt sind. Hier ziehen sich Frauen nicht mehr in Krankheit oder Isolation zurück, sondern zeigen, dass die Emanzipation der Frau vorangeschritten ist. Aber wie Frau Waldkirch in ihren Schlussworten deutlich machte, „auch immer wieder verteidigt werden muss.“

Köstliche Weine im schönen Gartenambiente trugen – trotz „kummervollen Themen“ – zur guten Stimmung an diesem Abend bei.

k.w.

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