Am 10. März 2022 fand die Lesung „Irgendwo – Nirgendwo“ im Cafè und Bistro Grand Luise statt. Drei Räuberinnen, Rita Hausen, Christiane Hedtke und Kristin Wolz, trugen ihre Gedichte vor. Das Gedichtrepertoire war breit gefächert. Durch Musiksequenzen von Arvo Pärt war den Gästen Zeit zum Nachspüren der Worte und ihrer Bilder gegeben.

Gern wurde das Angebot von wiederholtem Lesen oder Fragen und Ideen zu den Texten angenommen – und so gab es eine Lyrik-Soiree vom Feinsten.

Christiane Hedtke verlieh dem Abend einen heiteren Anstrich mit ihren Texten dem Phänomen Regen, der irgendwo fällt, zu folgen: Sei es auf einer Zugfahrt, beim Betrachten einer Pfütze, oder was neue Regenschirme bewirken können.
Kristin Wolz folgte Frauen und Wasserläufen weltweit. In Indien kämpfen die Wasserfrauen in hellblauen Saris um Wasserrechte. In Bolivien träumt eine Bäuerin von Wasser, das 24 Stunden am Tag fließt. In Florida fragt sich eine junge Aktivistin, wem das Wasser in den Lagunen des Santa Fe Rivers gehört, um nur einige Orte zu nennen.
Rita Hausen ließ in ihren Gedichten existentialistische, religionskritische und philosophische Fragen anklingen (s.u.).

Abrahamsgeschichte neu
(ein Plädoyer für den Ungehorsam)

Abraham wartete
Den Dolch in der erhobenen Hand
Vergebens
Der Engel kam nicht.
Sein kleiner Sohn weinte
Da entschloss er sich
Zum ersten Male
Ungehorsam zu sein.
Statt das Kind zu töten
Nahm er es in die Arme
Und tröstete es
Und versprach ihm die
Sterne vom Himmel
Und viel Sand
Zum Spielen.
Dem grausamen Gott
Schlachtete er aus Angst
Einen Widder
Der war gut genug
Für ihn –

Und weil Abraham
Ein guter Vater war
Glaubten nachfolgende Generationen
Sein Gott wäre es auch.
Den Engel aber
Müssen sie erfunden haben 
Denn einem Gott
Der Söhne schlachten heißt
Entfliehen alle Engel.

Rita Hausen