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Die Fee
Während du hämmerst und werkelst halte ich kurz die Augen geschlossen, um diesen
Moment des Glücks in mir aufzunehmen. Frühlingssonne wärmt mein Gesicht, meinen Körper.
Sie fällt durch die geöffnete Tür hinein zu dir ins Zimmer und wirft ein helles Rechteck
auf den blauen Teppich. Dort balancierst du auf einem Stuhl,
Bilder und Poster willst du an die Wand hängen. Ich beobachte dich, von meinem
Sonnenplatz auf dem Balkon, und plötzlich sehe ich etwas schier Unglaubliches.
Eine kleine Fee, nicht größer als ein Schmetterling, umschwirrt dich in
orangefarbenem Schimmer. Luftig segelt sie um deinen Kopf und zupft dich frech
am Ohr. Jetzt gaukelt sie hinab und nestelt am Reißverschluss deiner Hose. Du
schaust an dir hinunter, nimmst flüchtig den offenen Hosenschlitz wahr und
ziehst ihn zu. Ich kann ihr verschmitztes Lächeln sehen. Frech flattert sie
weiter und kitzelt dich an den nackten Zehen. Du wackelst mit dem Fuß.
Dann fliegt sie wieder hoch und schwirrt vor deiner Nase herum. Du blinzelst
und versuchst, das Bild gerade aufzuhängen. Du weißt nicht, dass die Fee die
Ursache ist, die dich nicht die Waage finden lässt. "Ach Mensch, ich bekomme
das nicht gerade hin, so schau doch mal!" "Links mehr hoch," rufe ich
dir zu, "noch ein bisschen mehr, ja, so ist es gut!" Ich sage dir nicht, dass
die gelb leuchtende Fee die Ursache für dein Gewackel ist. Sie flattert noch
immer vor deiner Nase und lächelt dir lieblich keck ins Gesicht.
"So?"
"Ja," lache ich, und verfolge mit den Augen, wie die Fee sich auf deinem
rechten Ohr niederlässt. Du neigst den Kopf nach rechts.
"Das ist doch völlig schief!", rufst du empört und die Fee klatscht in ihre
winzigen Händchen. Ihre durchsichtigen orangegelben Flügelchen schlagen
aufgeregt gegeneinander. Sie freut sich sehr, das ist ganz klar. Sie kümmert
sich gar nicht um mich. Sie weiß, dass ich sie sehen kann. Fortwährend
umtanzt sie dich, wie ein Schmetterling im Sommerwind eine Blüte umtanzt.
Sie ist so zauberhaft. Du ringst mit dem Gleichgewicht dort oben auf deinem
Stuhl. Ganz nah vor deinem Gesicht steht sie nun im Flug. Da neigt sie ihr
Köpfchen. Sachte haucht sie dir ein Küsschen auf die Nase. Dann flattert
sie lustig zur Balkontür hinaus, hält vor mir inne und winkt anmutig, bevor
sie fortfliegt in die laue Frühlingsluft. Zwischen den zartgrünen Blättern
der Birken vor unserem Haus verschwindet sie. Du bist von deinem Stuhl
herabgestiegen und betrachtest kritisch dein Werk.
"Aber es hängt ja doch gerade, was meinst du?", sagst du und lächelst zufrieden.
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