Marlene Klaus
   
 
    Marlene Klaus
  • Geboren 1960, Buchhändlerin, wohnhaft in Hockenheim.
  • Streifte zeitweise auch als Taxifahrerin, Kellnerin und Postbotin durchs Leben.
  • Seit Sommer 2005 Mitglied bei Quo Vadis, dem Autorenkreis Historischer Roman, Berlin.
  • Mitglied der Hockenheimer Gruppe LESEZEIT, ein Zusammenschluss Schreibender mit originellen Lesungsveranstaltungen in der Region.
  • Mitglied im Literarischen Zentrum Rhein-Neckar e.V. Die Räuber '77, Mannheim.

  • Ihr erster historischer Roman spielt im kurpfälzischen Hockenheim des Jahres 1593. Für diesen erhielt sie im Sommer 2006 ein Arbeitsstipendium vom Förderkeis deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg. Das Manuskript ist von der Literaturagentur Schmidt & Abrahams in Heidelberg (http://www.schrift-art.net/) angenommen und auf Verlagssuche.
  • Frühjahr 2007: „Teresa" in der Anthologie "Wahrnehmung", Förderband 6 des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg
  • Oktober 2007: „Arsenik für Schiller" in: Mannheimer Morde, Verlag Stefan Kehl, ca. 250 Seiten, Taschenbuch, ISBN: 978-3-935651-90-5
  • Oktober 2007: „Kunst in alten Gemäuern“ in der Räubertrilogie „Räubergold“, Vorwerk 8 Verlag, Berlin
  • Oktober 2009: „Schillers Flucht“ als MP 3 Datei zum Downloaden bei Jokers Historica unter www.jokers-downloads.de/gratis-downloads/jokers-historica....13./
 

  Die Fee

Während du hämmerst und werkelst halte ich kurz die Augen geschlossen, um diesen Moment des Glücks in mir aufzunehmen. Frühlingssonne wärmt mein Gesicht, meinen Körper. Sie fällt durch die geöffnete Tür hinein zu dir ins Zimmer und wirft ein helles Rechteck auf den blauen Teppich. Dort balancierst du auf einem Stuhl, Bilder und Poster willst du an die Wand hängen. Ich beobachte dich, von meinem Sonnenplatz auf dem Balkon, und plötzlich sehe ich etwas schier Unglaubliches. Eine kleine Fee, nicht größer als ein Schmetterling, umschwirrt dich in orangefarbenem Schimmer. Luftig segelt sie um deinen Kopf und zupft dich frech am Ohr. Jetzt gaukelt sie hinab und nestelt am Reißverschluss deiner Hose. Du schaust an dir hinunter, nimmst flüchtig den offenen Hosenschlitz wahr und ziehst ihn zu. Ich kann ihr verschmitztes Lächeln sehen. Frech flattert sie weiter und kitzelt dich an den nackten Zehen. Du wackelst mit dem Fuß.
Dann fliegt sie wieder hoch und schwirrt vor deiner Nase herum. Du blinzelst und versuchst, das Bild gerade aufzuhängen. Du weißt nicht, dass die Fee die Ursache ist, die dich nicht die Waage finden lässt. "Ach Mensch, ich bekomme das nicht gerade hin, so schau doch mal!" "Links mehr hoch," rufe ich dir zu, "noch ein bisschen mehr, ja, so ist es gut!"
Ich sage dir nicht, dass die gelb leuchtende Fee die Ursache für dein Gewackel ist. Sie flattert noch immer vor deiner Nase und lächelt dir lieblich keck ins Gesicht.
"So?"
"Ja," lache ich, und verfolge mit den Augen, wie die Fee sich auf deinem rechten Ohr niederlässt. Du neigst den Kopf nach rechts.
"Das ist doch völlig schief!", rufst du empört und die Fee klatscht in ihre winzigen Händchen. Ihre durchsichtigen orangegelben Flügelchen schlagen aufgeregt gegeneinander. Sie freut sich sehr, das ist ganz klar. Sie kümmert sich gar nicht um mich. Sie weiß, dass ich sie sehen kann. Fortwährend umtanzt sie dich, wie ein Schmetterling im Sommerwind eine Blüte umtanzt. Sie ist so zauberhaft. Du ringst mit dem Gleichgewicht dort oben auf deinem Stuhl. Ganz nah vor deinem Gesicht steht sie nun im Flug. Da neigt sie ihr Köpfchen. Sachte haucht sie dir ein Küsschen auf die Nase. Dann flattert sie lustig zur Balkontür hinaus, hält vor mir inne und winkt anmutig, bevor sie fortfliegt in die laue Frühlingsluft. Zwischen den zartgrünen Blättern der Birken vor unserem Haus verschwindet sie.
Du bist von deinem Stuhl herabgestiegen und betrachtest kritisch dein Werk.
"Aber es hängt ja doch gerade, was meinst du?", sagst du und lächelst zufrieden.