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Axel Jägers, Corona-Ausflug

Last updated on 23. Juli 2020

Ich bin begeistert. Ich bin begeistert! Der Fahrtwind streicht mild vorbei, streichelt meine Wangen. Welch‘ ein Frühling!
Langsam lasse ich mein Rad auslaufen und steige ab. Stille. Kein Geräusch. Nur das Zwitschern der Vögel vom Wald her ist zu hören. Meine Augen schweifen über die Felder und zu den fernen Bergen hinüber, die durch die klare Luft zum Greifen nah erscheinen. Ich weiß: Irgendwo dazwischen liegen Straßen und Schienen. Trotzdem ist kein Laut zu hören. Alles schweigt. Eine menschenleere, lautlose Corona-Welt.

Froh wieder die verwaisten Straßen für mich ganz allein zu haben, schwinge ich mich auf den Sattel und starte erneut in den wunderbaren Tag. So genieße ich radelnd die sanften Märztage draußen in der aufblühenden Landschaft und denke an die, die sich drinnen in ihren Häusern verstecken. Wo ist Corona frage ich mich? Hier auf den verlassene Straßen und Wegen offenbar nicht. Herrliche Zeiten!

Doch allmählich weicht die Angst in den Vierteln. Junge Familien mit ihren kleinen fröhlichen Kindern, allesamt auf Rädern, füllen die Radwege. Klangvolle Lebendigkeit, Kinderstimmen und ausgelassene Rufe verdrängen die Schläfrigkeit des Frühlings. Ich reihe mich ein in das unbekümmerte Treiben und bade im Kreuz und Quer der radelnden Menschen.

Unversehens treffe ich an einer Wegscheide auf eine Familie mit einer kleinen Tochter auf den Sätteln ihrer Fahrräder. Ich halte an und lasse ihnen die Vorfahrt. Die kleine Tochter will nicht so recht, da ruft die Mutter, indem sie auf mich deutet: „Fahr‘ ruhig Lisa, die Frau wartet!“ Verdutzt mustere ich meine Brust, meinen Bauch und meine Beine. Ich kann nichts Weibliches an mir finden.

Erst zuhause vor dem Badezimmerspiegel entdecke ich die Lösung: Meine Haare hängen vom Fahrtwind zerzaust lang und breit von meinem Kopf. Na klar: Coronabedingt sind seit Wochen alle Friseurläden geschlossen.
Und was lehrt uns das? Ist wieder mal ein Virus im Anflug, lieber Leser, dann geh sofort – zum Arzt?- nein, zum Friseur!
Manchmal ist wirklich ein Mann auch eine Frau oder umgekehrt – aber das ist eine andere Geschichte.

(c) Axel Jägers

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