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Ralph Grüneberger, Herbstjahr

Last updated on 8. Juni 2020

von Manfred Klenk

Herbst 1989 – Wendezeit. In einer der großen Leipziger Montagsdemonstrationen erlebt der junge Jesse am eigenen Leib die Gewalt der DDR-Polizei. Der Streit mit seinem Vater, einem linientreuen Funktionär, zerstört in ihm den letzten Funken Glauben an Freiheit und Gerechtigkeit: „Er rührte an den Schlaf der Welt / Mit Worten, die Blitze waren …“ (Johannes R. Bechers Gedicht „Lenin“).
Er flüchtet in die verlassene Wohnung eines Freundes. Auf Orientierungssuche schließt sich Jesse dem Neuen Forum an. Dort lernt er die Studentin Katja kennen. Gemeinsam erleben Sie den Tag der Friedlichen Revolution – ihren 9. November. Überrannt von den historischen Ereignissen nimmt das Leben von Jesse und dessen Freunde eine dramatische Wende. Ein bis zum Schluss spannender Roman, facettenreich erzählt.

Bemerkenswert, frappierend: die Klammer des Anfangs und des Endes in diesem Roman: von den Schlagstöcken der Uniformierten der DDR-Polizei zu Beginn hin zu den Tritten der Springer-Stiefel von glatzköpfigen Neo-Nazis am Schluss des Romans. Dazwischen ein temporeicher Spannungsbogen mit viel „Musik“ (das gibt den Tönen der vielseitigen Sprachgestaltung noch eine besondere Zeitfärbung). Bestens gelungen!
„Wir Deutschen hatten immer mal wieder in unserer Geschichte Revolutionäre ohne Revolution. Jetzt hatten wir eine Revolution ohne Revolutionäre.“ (Wolf Biermann).

Ralph Grüneberger ist gebürtiger Leipziger und in der Messestadt aufgewachsen. Lesereisen ins europäische Ausland sowie Literaturstipendien ließen ihn den Niederlanden, in Ungarn und im US-Staat Virginia immer wieder Abstand zu seiner Region finden. Als Stipendiat der Kulturstiftung Sachsen begann er 2012 mit der Arbeit an seinem ersten Roman, nachdem er Arbeiten für den Rundfunk, Literaturkritiken für das Feuilleton, Lyrik- und Prosabände sowie Monographien zu bildenden Künstlern veröffentlicht hatte. Er ist Herausgeber einer Literaturzeitschrift, seit mehr als zwei Jahrzehnten Vorsitzender der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik e.V. und Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

GMEINER Verlag, 2019
ISBN 978-3-8392-2483-0
14,00 €

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